Inhalt express 06-07/2015

Gewerkschaften Inland

  • Nadja Rakowitz: »Gegen den Trend« – ver.di schlägt solidarische Pflegeversicherung vor
  • Slave Cubela: »Eine große Tür nach draußen« – Überlegungen zum gewerkschaftlichen Organizing
  • Elmar Wigand: »Blinder Fleck Betriebsratsbashing« – über kriminelle Unternehmer und ihre Dienstleister
  • Percy MacLean: »Prost, Schutzgesetz« – über Sexarbeit unter fürsorglicher Belagerung
  • Arno Klönne 1982: »Partei oder Nicht-Partei?« – linke Organisierungsversuche in der BRD, Teil I

Betriebsspiegel

Internationales

  • Stephen Lerner / Jono Shaffer: »Justice for Janitors« – ein anderer Blick auf die Anfänge des Organizing vor 25 Jahren
  • Thomas Sablowski: »Demokratie gegen Austerität« – zu den »Verhandlungen« mit Griechenland
  • Hakan Kocak: »Um sich greifender Ungehorsam« – über die Streikwelle in der Türkei
  • Hasan Arslan: Leserbrief zu Peter Haumers Bericht über Besetzung von Greif
  • Todd Cherkis: »Plötzlich im Mittelpunkt« – gewerkschaftliche Antworten auf Armut und tödlichen Rassismus in Baltimore

Rezension

  • Erik Dickmann: »Neue Einträge ins Klassenbuch« – Literaturüberblick zu Klassentheorien

 

EDITORIAL

Geneigte Leserinnen und Leser,

Amazon, Einzelhandel, Kita, Post, Charité – an Streiks mangelte es nicht im Juni. Die Streiks – alle von ver.di organisiert – würden nicht mehr, so betonte die Süddeutsche Zeitung auf einem Seite 1-Artikel, aber dafür heftiger. Die KollegInnen würden sich die bei der SZ so verhasste GDL zum Vorbild nehmen. Deren Konflikt mit der DB wurde inzwischen einerseits auf tariflichem Weg geschlichtet, andererseits auf gesetzlichem, denn Ende Mai passierte das Gesetz zur Tarifeinheit das Parlament, das in Zukunft verhindern soll, dass kleine Gewerkschaften (mächtige) Streiks durchführen können.

Alles das – und besonders der so wichtige Streik der Beschäftigten an der Charité – ging in der Berichterstattung ein wenig bis ganz unter, weil andernorts Weltgeschichte passierte: Kurz vor Auslaufen des aktuellen „Hilfs“-Programms stellten die „Institutionen“ eine letzte unannehmbare Forderung mit Rentenkürzungen und Erhöhung der Mehrwertsteuer an die griechische Regierung. Alexis Tsipras lud zum Referendum und empfahl ein Nein. Der Sturm der Entrüstung und der Lügen in den Reihen der deutschen und EU-Politiker wie in den Medien anschließend war unerträglich. So viel Demokratie hatte man schon 2012 Papandreou nicht zugestanden, der SYRIZA-Regierung erst recht nicht. Ob diese ihren Kurs gegen das neoliberale Europa durchhalten kann, ist wieder einmal ungewiss.

So rappelt sie bedrohlich vor sich hin, die Weltmaschine. Dabei könnte sie ein einzig glücklich Kreisen und Funkeln sein. Diese Version bleibt bis auf Weiteres in die Scheune des Franz Gsellmann verbannt, zur Warenproduktion und -distribution hat sie schließlich nichts beizutragen.

 

2015-06_Latza-Rakowitz_Mehr

2015-06_Kocak_Um-sich-greifender-Ungehorsam

 

express 6-7/2015