Inhalt express 2/2015

GEWERKSCHAFTEN INLAND

Rainer Butenschön: »Vertreibung aus dem Paradies« – Die aktuelle Situation der Medienbranche S. 1
»Ein Funke immerhin« – Interview mit Olaf Uhde zu Organizing aus der Sicht von Beschäftigten S. 2
»Die fünfte Kolonne von Yanis Varoufakis?« – Blockupy-Aktionstag am 18. März S. 8
Steffen Lehndorff: »Der eingebildete Gesunde« – Zur neuen Karriere des ›Modells Deutschland‹ S. 9
»Wahl? Welche Wahl?« – Aufruf aus Gewerkschaften und Wissenschaft zur Unterstützung der neuen griechischen Regierung S. 9
Thomas Gehrig: »Gefährliche Fremde« – Zur Stellvertreterrolle der Religion S. 11

BETRIEBSSPIEGEL

Peter Nowak: »Shopping-Schande« – Proteste gegen Lohnbetrug beim Bau der Mall of Berlin S. 4
»Neues aus der Anstalt« – JVA Tegel sanktioniert Engagement für die Gefangenengewerkschaft S. 6

INTERNATIONALES

Gaby Gottwald: »Exportschlägerei« – Hintergründe des Protests gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA S. 5
»Licht und Schatten« – Interview mit Arianna Salgado und Guillermo Perez zu geplanten Änderungen im US-Einwanderungsrecht S. 7
Willi Hajek: »›Charlie‹ und die Redefreiheit« – Kleine Geschichte aus dem Inneren von Bombardier S. 11

REZENSIONEN

Christian Frings: »Die Rückkehr der Klassenfrage« – Über Thomas Piketty und seine linken Kritiker, Teil III S. 14
Stefan Schoppengerd: »›Mit bemerkenswerter Sturheit‹« – Ein Buch über das Leben Werner Scholems S. 16

Bildnachweise
Die Bilder dieser Ausgabe zeigen Street Art aus Griechenland. Sofern nicht als Bilder von Flickr gekennzeichnet, wurden sie während einer Delegationsreise des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) in Athen aufgenommen.

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse sehen wir uns genötigt, den Inhalt unserer kleinen Postille einer selbstkritischen Prüfung zu unterziehen. An der Freien Universität zu Berlin wurde jüngst von den Experten des Forschungsverbunds SED-Staat eine beunruhigende Virulenz linksextremer Einstellungen auch in der »sogenannten Mehrheitsgesellschaft« festgestellt (s. FAZ vom 23.02.2015). Falls Ihr noch nicht zu den Infizierten (oder zur Mehrheit) gehört, lasst Euch bitte bei der Lektüre dieser Ausgabe nicht zu falschen Schlüssen verleiten! Wenn Gaby Gottwald auf die Gefahren der geplanten Freihandelsabkommen hinweist, so will sie damit gewiss nicht behaupten, dass »unsere Demokratie keine echte Demokratie ist, da die Wirtschaft und nicht die Wähler das Sagen haben«. Wenn Thomas Gehrig sich mit den Hintergründen von Pegida und Co. befasst, so will er bestimmt nicht den Irrglauben befördern, »eine tief verwurzelte Ausländerfeindlichkeit« ließe sich »bei uns in Deutschland überall im Alltag beobachten«. Bei der Lektüre von Christian Frings’ Befassung mit Thomas Piketty könnte der Eindruck entstehen, der Autor wollte Sympathie wecken für die Auffassung: »Die Lebensbedingungen werden durch Reformen nicht besser – wir brauchen eine Revolution«. Nein, das will er nicht, auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht.
Auch verfolgt Steffen Lehndorff keineswegs die Absicht, die »soziale Gleichheit aller Menschen« gegen die »Freiheit des Einzelnen« in Stellung zu bringen, auch wenn es so scheinen mag, als sei ihm etwas unwohl mit der Verschärfung von Ungleichheitslagen durch Hartz IV und Agenda 2010. Auch nimmt er zum Glück davon Abstand, die »soziale Marktwirtschaft« als »neoliberalen Kapitalismus« zu bezeichnen – auch das wäre nämlich ein Indiz für eine Offenheit gegenüber extremistischen Einstellungen, und eine solche hat in unserer »offenen Gesellschaft« keinen Platz.
Ach so, und wenn diese Zeitung im Untertitel als »sozialistische« ausgewiesen wird, dann kann das alles Mögliche bedeuten, aber mit Sicherheit nicht, dass »der Sozialismus/Kommunismus eine gute Idee ist, die bisher nur schlecht ausgeführt wurde«. Nicht dass Ihr auf dumme Gedanken kommt.

 

2015-02_Buntenschoen_Vertreibung 2015-02_

Interview_Licht-und-Schatten_US

 

express 02/2015