Inhalt express 9/2016

Gewerkschaften Inland

Betriebsspiegel

  • Manfred Neuer: »Einer für alle?« – Gabriel und der Edeka/Tengelmann-Deal 6

Internationales

Rezension

  • Rudolf Walther: »ML, VLB und BKA« – Eine Geschichte des linken Buchhandels 15

Bildnachweise

Protestaktionen in deutschen Braunkohlerevieren sorgen für Streit zwischen Gewerkschaften und Umweltaktivisten (s. den Beitrag von Helmut Born). Wer anlässlich dieser Proteste die Bilder von den schier endlosen Mondlandschaften betrachtet, die die riesigen Bagger in die Erde wühlen, kennt auch die eigenartige Faszination, die von dieser gigantischen Naturzerstörung ausgeht. Mit dem Wissen um den Beitrag der Braunkohleverstromung zur Klimaerwärmung liegen die Fähigkeit zur Beherrschung der Natur und die darin sich zeigende Hybris nah beieinander. Die Illustration dieser Ausgabe erinnert an eine der größten Katastrophen, die aus dieser Verbindung hervorgegangen ist: Vor 30 Jahren ereignete sich der GAU in Tschernobyl. 2008 bereiste der Zeichner Emmanuel Lepage die Unglücksregion und hielt seine Eindrücke in der gezeichneten Reportage „Ein Frühling in Tschernobyl“ fest. Sein Fazit ist eher eine Frage – und eine Aufgabe: das Unsichtbare sichtbar, das Undenkbare denkbar zu machen. Die deutsche Übersetzung ist 2013 im Bielefelder Splitter-Verlag erschienen, bei dem wir uns herzlich für die Überlassung der Bilder bedanken.

Emmanuel Lepage: „Ein Frühling in Tschernobyl“, Splitter-Verlag, Bielefeld 2013, 168 Seiten, 29,80 Euro, ISBN 978-3868696196.

Editorial

Liebe KlimagenossInnen,

»Immer noch heiß, aber jetzt kommt es in Wellen« – das Motto zum 50. Geburtstag unserer Redakteurinnen – gilt auch für diesen Sommer. Wir schwitzen beim September-Umbruch bei muckeligen 35 Grad im Schatten, während wir im Juni dicke Jacken brauchten. Wenn das mal nicht der Klimawandel ist!

Dieser macht auch den Gewerkschaften zu schaffen bei der Frage: Arbeitsplätze im Braunkohleabbau oder Kampf dem Klimawandel? Dabei erleben sie ebenfalls einen Wandel im Klima der Auseinandersetzungen: »Schnauze voll« als Slogan einer Vertrauensleutegruppe von ver.di und IG BCE klingt nicht nach Willkommenskultur für autonome und andere AktivistInnen im Klimacamp in NRW. Inzwischen ist rhetorische Abrüstung angesagt.

Einen Klimawandel nicht verhindern, sondern sogar fördern will Frauke Petry, die Vorsitzende der AfD. Den einen leugnet die AfD gern, deswegen hält sie auch alle Bemühungen um Emissionsreduktion für grün-faschistischen Kokolores. Im übertragenen Sinn aber: frischer Wind! Es braucht gesellschaftlich mehr Aufgeschlossenheit fürs »Völkische«! Schluss mit den Tabus!! Das muss doch mal wieder gesagt werden dürfen…!!! Da juckt‘s einem in den schreibenden Fingern, ebenfalls einen Beitrag zur Steigerung des atmosphärischen Drucks zu leisten und einen Klimawandel hinsichtlich des Gebrauchs von Kraftausdrücken gegenüber solchen Gestalten einzuleiten. Noch wahren wir die Contenance in unserer politisch gerne korrekten Zeitung.

Stattdessen diskutieren wir andere Klimawandel, -wändel, -wandels (oder wie heißt der politisch korrekte Plural von Veränderung in der Postmoderne?): zum Beispiel das Verhältnis von Gewerkschaften und Arbeiterbewegung zu rechten Parteien – und im Falle Brasiliens auch zu einer linken Partei. Eröffnet wird unser schönes Heft aber mit einem Interview zur nächsten Klimakonferenz der Streiklustigen.

Man kann gar nicht genug vom Wetter reden.

2016-09_Rakowitz_Eine-feste-Groesse

2016-09_Wuhrer_Die-Geschundenen-des-Markts

2016-09_Zeise_Forum-fuer-die-Neuerer