Inhalt express 11/2018

Gewerkschaften Inland

Betriebsspiegel

  • Griechenlandkomitee Köln: »Weiterhin Putz« – Zwangsversteigerungstermin bei Vio.me erneut gescheitert 12

Internationales

  • Birgit Daiber: »Trotz aller Schwächen« – Ein Gespräch mit Luciana Castellina und Filippo Rignolu über die italienische Linke 9
  • Netzwerk Gerechter Welthandel: »JEFTA-Abkommen nicht ratifizieren« – Offener Brief an die deutschen Abgeordneten des Europäischen Parlaments 16

Rezensionen

  • Torsten Bewernitz: »bodies@work« – Die Körperpolitiken von Kapitalismus und Widerstand 10
  • Stefan Schoppengerd: »Alles, aber anders« – Peter Birke und Wolfgang Hien über den Lebensweg eines betrieblichen 68ers 10
  • Christoph Wälz: »Architekt der Einheitsfront« – Die Biographie des KPD-Vorsitzenden Ernst Meyer 12

Kurzmeldungen

  • Antipasti 14
  • Dringliches 15

 

Bildnachweise

Remember! – so der Titel eines bekannten Designartikelversands. Wenn Erinnern nicht als billige Phrase für die Gewinnung distinktionsgewinnorientierter KundInnen dienen soll, wird’s kompliziert. Was »aus der Geschichte lernen« heißen soll, verdient vertieftes Nachdenken – nicht nur, aber auch weil es in dieser Ausgabe genau darum geht. Als gedankliche Hilfe und weil sie uns selbst in unseren wohlfeilen Annahmen so verstört, d.h. angeregt haben, ist diese Ausgabe mit den Zeichnungen von Manu Larcenet versehen. »Brodecks Bericht« ist die Geschichte eines Mannes, der – bezahlt von den Tätern – den Mord an einem »Fremden« dokumentieren soll, der seinerseits Aufschluss über Land und Leute gewinnen wollte. Selbst ein Fremder im eigenen Land, hier einem Dorf, das an die düsteren Seiten der Vogesen erinnert, scheint Brodeck prädestiniert, mit seinem Bericht zur Befreiung von dem Alp, der auf der TäterInnengesellschaft liegt, beitragen zu können. Denn nichts anderes wird schließlich die Funktion seines schriftlichen Rapports sein. Doch sich selbst im Anderen, im Fremden zu erkennen, dieser Perspektivwechsel geht leider nicht immer so aus wie Axel Honneths Anerkennungsphilosophie. Die »Kaserskwir«, an die Brodeck sich selbst wieder erinnern muss, die Krater, in die die Dorfgemeinschaft schaut – sie gefährden den »Spiegel«-Halter ebenso wie die Gemeinschaft. Eine verstörende Erfahrung, die wir sehr empfehlen können: »Brodecks Bericht.
Nach einem Roman von Philippe Claudel«, Reprodukt, ISBN 978-3-95640-132-9 328 Seiten, schwarzweiß, 29 x 23,5 cm, Hardcover mit Schuber, 39 Euro

 

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Sollte es tatsächlich, wie Anfang November auf einem bundesweiten Treffen geplant, am 8. März 2019 einen feministischen Generalstreik in Deutschland geben, wäre das sicherlich ein solches Ereignis. Nun wissen wir allerdings spätestens seit Rosa Luxemburgs »Massenstreik, Partei und Gewerkschaft«, dass sich ein solcher Streik nicht von oben dekretieren lässt. Und auch, wenn wir einen entsprechenden Aufbruch in Brasilien, den USA, Polen und Spanien beobachten dürfen, heißt das eben nicht, dass das auf hiesige Verhältnisse übertragbar ist.

Dass sich Hunderte von Frauen treffen, weil sie streiken wollen, ist aber ein Ereignis, das wir doch herzlich begrüßen. Und wenn das große Ereignis »Generalstreik« dann doch nicht eintritt – immerhin ist es in Deutschland erst drei Mal eingetreten, 1920, 1948 und 1953 – so hat es doch immerhin eine lebhafte Debatte hervorgebracht.

Davon bleibt auch ein Ereignis, das vielleicht kein historisch »Großes«, aber ein für unsere LeserInnenschaft Relevantes ist, nicht unbetroffen: Im Februar 2019 lädt die RLS bereits zum vierten Mal gemeinsam mit verschiedenen Gewerkschaften zu ihrer Streik-Tagung, diesmal in Braunschweig. Die Frage, ob und wie ein Frauenstreik möglich ist, wird auch dort auf dem Programm stehen.

Das legt jedenfalls die jüngste – und Euch hiermit ans Herz gelegte – Ausgabe der RLS-Zeitschrift LUXemburg (2/2018) ebenso nahe wie die im Frühjahr erscheinende Broschüre zur »Feminisierung von Streiks« von Ingrid Artus, aus der wir in dieser Ausgabe einen Vorabdruck präsentieren dürfen.

»Frauen streiken anders« ist eine Schlussfolgerung aus Ingrid Artus’ Beitrag. Und das liegt u.a. daran, dass die betroffenen Branchen anders strukturiert sind, die Politik anders angesprochen werden muss und daher auch der Charakter dieser Streiks politischer ist.

Womit wir wieder bei Rosa Luxemburg wären: »Politische Streiks« können nicht einfach initiiert werden, sondern ökonomische Kämpfe werden manchmal zu politischen, wie auch politische zu ökonomischen werden. Weil, so eine radikale Binse, die man nicht oft genug wiederholen kann, die Trennung zwischen Ökonomie und Politik eine künstliche ist. Und was gemacht ist, kann auch weggemacht werden.

Wir wünschen erbauliche Lektüre!

 

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