Inhalt express 3/2018

Gewerkschaften Inland

Betriebsspiegel

Internationales

  • Alexandra Bradbury & Samantha Winslow: »Zitronen zu Limonade!« – Das Jahr 2017 aus Sicht der US-Gewerkschaften 10
  • Willi Hajek: »Den Horizont weiten« – Konferenz internationaler Basis-GewerkschafterInnen in Madrid 10
  • CGT: »Ein historischer 8. März« – Streiks und Massenproteste in Spanien 14

Rezensionen

  • Peter Nowak: »Der Aufstand der Töchter« – Rezension zum Arbeitskampf im
    Botanischen Garten Berlin 5
  • Birgit Daiber: »Die Einsamkeit des Yanis Varoufakis« – Ein echter Brüsseler Krimi 9
  • Anne Allex: »Grenzenlos gerecht« – Wie ein ägyptischer Arzt Nazi-GegnerInnen und JüdInnen das Leben rettete 12
  • Micha Brumlik: »Nicht im privaten Glück« – Ein Sammelband über den Pädagogen Ernest Jouhy 16

Nachruf

  • Anton Kobel: »Zum Tod von Wolfgang Stather« – Mehr als ein Nachruf 14

 

Bildnachweise: Auch wenn es hierzulande – trotz eines Spitzenplatzes in Sachen Gender-Gap – nicht so aussah: Der Internationale Frauentag am 8. März war weltweit Anlass für große Demonstrationen, für vielfältige Aktionen, mancherorts gar für Streiks. Wie unsere Bildauswahl für diese Ausgabe zeigt, war und ist er Bezugspunkt für ein buntes Allerlei – für Kommerzialisierungsversuche a la Valentinstag, sogar für ultrarechte „AktivistInnen“, vor allem aber für Frauen aus den linken Bewegungen, die es – trotz allem – überall gibt. Die beeindruckendsten Bilder kommen in diesem Jahr wohl aus Spanien, wo ein Aufruf zum Streik- und Protesttag millionenfachen Widerhall fand, und aus Istanbul, wo sich den repressiven Bedingungen zuwider Zehntausende auf den Straßen trafen. Für die Frauen der kurdischen Selbstverteidigungseinheiten in Rojava, den kurdischen Gebieten Syriens, stand der 8. März ganz im Zeichen der Verteidigung gegen den türkischen Angriff auf die Region Afrin.

Editorial

Geneigte LeserInnen!

»Es gibt kein richtiges Leben im falschen«, wenn dies Bonmot Adornos einmal darauf hindeuten sollte, dass Erkenntnis und Leben im Kapitalismus nicht ohne Widersprüche zu haben sind, scheint dies heute doch eher Glückskeks-Phrase geworden: entlastendes Plädoyer für enthemmten Individualismus und Dasein, einfach nur Dasein den einen. Den anderen Versicherung, dass aller Versuch, auf’s Ganze zu gehen, vergeblich – und gerade deshalb alles möglich ist. Vielleicht hat die bestürzend breit geführte Debatte über die Notwendigkeit eines neuen, linken Populismus mit diesen Ausweichmanövern zu tun. Vielleicht ist sie auch die Antwort auf die politischen Folgen der postmodernen, oft genug als ›undogmatisch‹ auftretenden Gegenaufklärung, nach der jeder Anspruch auf ›Objektivität‹ und Erkenntnis schon Ideologie sei. Vielleicht ist sie auch nur Ausdruck der Verzweiflung über die Kleinteiligkeit der Fortschritte, wo nicht gleich »Die große Regression« (Geiselberger 2017) attestiert und flugs zum Idealismus der »Gegenhegemonie« gegriffen wird. Doch was hilft’s, wir müssen durch die Widersprüche durch – und da hilft der Populismus als Antwort auf den Populismus wenig, wie A. Struwe in der Jungle World, die wir hier sonst nur selten zitieren, schrieb: »Verkannt wird, dass die eigentliche Konkurrenz zum rechten Irrationalismus entlang der Linie von ­Erkenntnis und Verblendung verläuft, nicht entlang des besseren oder schlechteren Populismus.« (8. Dezember 2016) An Aufklärung führt kein Weg vorbei, schon um Kriterien dafür zu haben, was denn zu tun ist. Die Erfolge der »Blauen« bei den BR-Wahlen beschäftigen so langsam auch die Vorstandsetagen der Gewerkschaften, die sich mit dem rechten Populismus in den eigenen Reihen genauer auseinandersetzen müssen, wie P. Balluff in diesem express fordert. Dass auch die eigene Politik, u.U. sogar das Kerngeschäft Tarifpolitik die Kluft zwischen Abgehängten und Integrierten – eines der Hauptmotive der AfD-WählerInnen, wenn man der allerneuesten Studie des »Progressiven Zentrums« folgen würde – eher verstärkt, thematisiert I. Kurz-Scherf. Vom Blau zum Pink: Ihre abschließende Feststellung, dass eine hinreichend starke Frauenbewegung nicht in Sicht ist, will nicht so recht zu den Bildern dieser Ausgabe passen. Wie soll man das nennen? Text-Bild-Schere? Oder Dialektik? So hätte man wohl damals, 68, gesagt, als man antrat, die Verhältnisse zu begreifen und eingreifend zu ändern – eine Spur, die P. Grohmann in dieser Ausgabe aufnimmt, ganz ohne Dialektik und Dogmatismus, aber sehr erhellend. Und wert, den Faden der Geschichte weiterzuspinnen.