Inhalt express 7/2018

Gewerkschaften Inland

Betriebsspiegel

Internationales

  • »Eine landesweite Kraft: LehrerInnen im Iran« – Gespräch mit Loghman Veisi, Vertreter der iranischen Lehrergewerkschaft S. 9
  • »Freiheit für Adil Demirci!« – ver.di-Mitglied in Haft: Petition an Bundesregierung S. 9
  • »Die Zukunft inszenieren« – Alexander Behr im Gespräch mit dem kongolesischen Rechtsanwalt Sylvestre Bisimwa über die Kongo-Tribunale S. 10
  • Hermann Nehls: »USA schränken nicht nur Lehrergewerkschaften ein« – »Right to Work« für alle S. 10
  • Labor Notes: »Open Shop America« – zur rassistischen Geschichte der »Right to Work«-Gesetze S. 11

Rezensionen

  • Dietmar Dathe: »Das proletarische 1968« – Rezension zu »1968 und die Arbeiter« 7

Bildnachweise: Aus einer Mücke einen Elefanten machen, das könnte die Metapher für den Auslöser jener Odyssee sein, die der iranische Zeichner Mana Neyestani in seiner autobiografischen Graphic Novel vorgelegt hat und die uns durch diese Ausgabe des express begleitet. Wenn, ja wenn es sich in diesem Fall nicht um eine Kakerlake in einer Kinderzeichnung handeln würde, die zu einem Volksaufstand der benachteiligten, türkischsprachigen ‚Minderheit‘ der Aserbeidschaner im Nordwesten Irans und damit zur Verhaftung des naiven jungen Cartoonisten führt. Die Regierung braucht einen Sündenbock, und damit beginnt die Reise. Sie führt uns mit dem Autor durch Verhöre, Gefängnisse, die Niederungen des ankorrumpierten Justizapparats über die kafkaesken Mühlen der internationalen Asylbürokratie nach Dubai und Malaysia. Am Ende setzt er alle Karten auf China. Wohin diese Hoffnung führt, verraten wir nicht, nur so viel: Es gibt kein Happy End in Deutschland. Mehr dazu in den Beiträgen dieser Ausgabe.

Mana Neyestani: Ein iranischer Albtraum, Edition Moderne, Zürich 2013, kartoniert, Kartoniert, 200 Seiten, 24,00 EUR, ISBN 9783037311066

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

wie geht’s? Gut? Guat? Schee. Da haben nämlich alle was davon. »Geht‘s dem einen guat, geht’s uns allen guat!« So will es zumindest die Hookline eines Songs, den die Wirtschaftskammer Österreich per Internet­video in die Welt gesetzt hat. Universelle Liebe. Frieden und Harmonie für jedes Menschenkind, diese Ideen sind im 20. Jahrhundert ja schon des Öfteren im Gewande der Popmusik verbreitet worden. Nur hat die Wirtschaftskammer es nicht bei esoterisch anmutenden Beschwörungsformeln belassen, sie reichte auch ein Rezept zu ihrer Verwirk­lichung: Arbeitszeitflexibilisierung, 12-Stunden-Tag! Diese etwas ungelenke Verknüpfung von Glückseligkeit und profanen Kapitalinteressen, inszeniert mit niedlichen Knetgummifiguren samt sprechendem Hund, traf nun aber doch nur bei einer kleinen Minderheit der ÖsterreicherInnen auf Wohlwollen. Die meisten wussten die Botschaft zu dechiffrieren als: »Geht‘s der Wirtschaft gut, geht’s der Wirtschaft gut« – es keimte sogar die Hoffnung, dass die Unternehmenslobbyisten mit ihrer peinlichen Propagandadarbietung dem Widerstand gegen die Regierungspläne effektiver zugearbeitet hätten, als jede linke Mobilisierungsroutine es je vermocht hätte.

Zumindest für den Moment hat es aber nicht gereicht. Am 5. Juli hat das österreichische Parlament die Tür ins Reich der Freiheit aufgestoßen: Wo es gewünscht ist, darf zukünftig auch etwas länger gearbeitet werden, bis zu 60 Stunden in der Woche. Dass eine schwarz-blaue Regierung keinen Sinn dafür erkennen lässt, dass des einen Möglichkeit, diesen Wunsch zu artikulieren, relativ unbeschränkt ist und durch Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse noch untermauert wird, während des anderen Gelegenheit, darauf mit einem bestimmten »Ich möchte lieber nicht!« zu antworten, durch eben diese Verhältnisse kaputt gemacht wird, kann zwar einerseits nicht überraschen – es bietet aber doch ein schönes Lehrstück darüber, wie weit es her ist mit der »Volksnähe« und der Nähe zu den einfachen Leuten, die derlei Arschlöcher sich auch hierzulande gern zugutehalten lassen wollen. Ihre Freiheit erweist sich als, sagen wir es mit einem Modewort, wenig inklusiv. Oder in den Worten des brillianten Taubenvergifters Kreisler in der Rolle des Unternehmers: »Meine Freiheit heißt, dass ich Geschäfte machen kann // Und deine Freiheit heißt, du kriegst bei mir ’nen Posten // Und da du meine Waren kaufen musst, stell‘ ich dich bei mir an // Dadurch verursacht deine Freiheit keine Kosten!«

Was das mit dieser express-Ausgabe zu tun hat? Aufgemerkt, Transferleistung ist gefragt! Die Antwort findet Ihr nicht nur in unseren Interviews zu den Betriebsratswahlen. Pfiat Eich!